Auf einen Kaffee

01. Oktober 2019


“Hast du noch Zeit für einen Kaffee?”

Ich glaube, kein Mensch und kein Ding auf dieser Welt hat mehr Menschen zusammengebracht als Kaffee. Wenn es also mal einen Friedensnobelpreis für Agrarprodukte geben sollte, geht der Erste wohl an dieses vielseitig brühbare Heissgetränk.
Obwohl Kaffee anscheinend ein sehr verführerischer Vorwand ist, um Menschen zu sich nach Hause einzuladen, ist es wohl auch ausserhalb von mehrdeutigen Kaffeeeinladungen ein echter Rebell für die analoge Kommunikation, bei der sogar den urbansten Digitalromantikern ganz warm ums Herz wird. Denn wie kein anderes Medium unserer Zeit verfügt diese immer gegenwärtige, magische Flüssigkeit über eine völlig unterschätzte Eigenschaft: das Zusammenbringen von Menschen.

In Zeiten digitaler Vernetzung ist Kaffee das analoge Gegenstück, der Verfechter, ja ein Rebell und Freiheitskämpfer für mehr echte Kommunikation. Der Gegentrend, der ganz heimlich ohne DSGVO, Fotodatenbanken und Massen an Big Data Menschen vernetzt. Und das einfach so, ganz unaufhaltsam und jeden Tag. Angefangen von der Kaffeepause im Büro, bei der sich die Kollegen austauschen, bis zum Kaffee, bei dem man seine beste Freundin trifft oder die sonntägliche Kanne Kaffee, serviert auf silbernem Tablett mit Papierspitzenuntersetzer bei der Oma. Natürlich mit Kuchen.
Die Situationen, in denen Kaffee zur Steigerung der sozialen Kontakte beiträgt und dabei den grössten Digitalnormaden eine echte Realtime-Kommunikations-Experience schenkt, lassen sich beinahe ins Unendliche fortsetzen.
Und so schafft Kaffee täglich tausende Gespräche, bei denen man sich die Hände an einer warmen Tasse wärmt, während echte gesprochene Worte wie ein Symphonieorchester sogar das Piepen vom Smartphone übertönen und die Mimik des Gegenübers die gesprochenen Worte unterstreichen. Und das ganz ohne 287 Emojis. Denn egal, wie viel geemailt, gechattet, geparshipt oder getindert wird – am Ende trifft man sich doch erst mal auf einen Kaffee!
 


Eine Tasse Zeit

13. August 2019


Häufig geniessen wir ihn im Gehen oder einfach nebenher, ab und zu auch nur als Mittel zum Zweck, um wach zu bleiben. Verlockend ist dabei natürlich die Geschwindigkeit und Einfachheit, mit der Kaffee zuzubereiten ist. Nämlich per Knopfdruck. In weniger als 20 Sekunden ist die Tasse mit frisch duftendem Kaffee gefüllt. Und das hat natürlich seine Berechtigung. Denn – seien wir ehrlich – niemand will am frühen Morgen eine Viertelstunde die Kaffeemühle einstellen und fünf Espressi in den Ausguss kippen, weil der Mahlgrad nicht stimmt. Dafür muss man schon ein Liebhaber sein oder einfach viel, viel Zeit haben. Wenn man aber dann einmal Zeit hat, zum Beispiel am Wochenende, sollte man den Kaffee auch geniessen. Denn was hier im Supermarkt so einfach zur Verfügung steht, hat bereits einen weiten und langen Weg hinter sich. Besonders bemerkbar macht sich das bei Spezialitätenkaffee, und zwar im Geschmack.
Das soll nun kein ”Plädoyer mit erhobenem Zeigefinger” über die Vorzüge von sehr, sehr leckerem Kaffee werden, sondern einfach daran erinnern, dass wir den Moment mit einem grossartigen Kaffee viel mehr geniessen sollten. Ohne Handy, ohne Fernseher, dafür mit einer grossen Tasse Zeit und Genuss.