Was ist Bio Kaffee?

13. Januar 2020

Viele Verbraucher kaufen bewusst Bio Kaffee, auch wenn das Produkt etwas teurer ist. Denn dadurch wollen sie sowohl sich etwas Gutes tun als auch der Umwelt.

Anbau von Biokaffee

Diese Art Kaffee wird als Mischkultur angebaut. Das bedeutet, dass neben den Kaffeepflanzen auch andere Sorten wie beispielsweise Bananenstauden oder Palmen wachsen, die den Kaffee vor zu viel Sonne schützen. Zudem wird der Boden weniger ausgelaugt. Schliesslich bevorzugen Kaffeepflanzen Wärme und Feuchtigkeit, wobei die Temperaturunterschiede nicht zu gross sein dürfen. Das betrifft zum Beispiel den Arabica, denn der ist sehr empfindlich was das Klima betrifft. 
Obwohl die Mischkultur dem Wachstum der Kaffeepflanze und dem Ertrag entgegenkommt, hat sie einen Nachteil: Zum Ernten fehlt der Platz für die Maschinen. Deshalb wird häufig auf die Mischkultur verzichtet oder statt Arabica die Sorte Robusta angebaut. Doch Monokultur wirkt sich auf Dauer negativ auf die Zusammensetzung des Bodens aus sowie die Tier- und Pflanzenwelt. Zudem wirkt sich die Rodung des Regenwaldes auf die Niederschläge aus und es fehlt Wasser zum Bewässern. Deshalb ist für den Anbau von Biokaffee die Mischkultur die bessere Wahl. Denn wie bereits erwähnt schützen Bananenstauden oder Palmen die Kaffeepflanzen zwar vor zu viel Sonne und Regen, aber die anderen Arten erhalten auch den guten Zustand des Bodens. Dabei ist besonders wichtig, dass das Wasser im Boden gespeichert wird. Zudem werden für Bio auch keine Pestizide eingesetzt, denn die Schädlinge werden natürlich bekämpft und die Pflanzen natürlich gedüngt.

 

Die Ernte der Kaffeebohnen

Kaffee lässt sich sowohl manuell als auch maschinell ernten: Experten sprechen vom Stripping oder Picking, wobei für Bio Kaffee eher die manuelle Variante bevorzugt wird. Hierbei werden nur einwandfreie Kaffeekirschen mit der Hand geerntet. Was nicht reif ist, das bleibt noch an der Kaffeepflanze hängen. Die Handarbeit hat den Vorteil, dass die Pflanzen nicht beschädigt werden. Jedoch müssen dafür mehr Mitarbeiter eingestellt werden, denn die Menschen benötigen mehr Zeit für die Ernte. Auf die Art wird die Umwelt geschont und die Ernte ist nachhaltig, aber auch teurer. Allerdings schmeckt der Kaffee auch besser, weil die Qualität der Kaffeekirschen bei der Ernte im Vordergrund steht.
Bei der maschinellen Ernte kommt es darauf an, möglichst schnell zu ernten und hohe Erträge einzufahren. Das wirkt sich folglich auf die Qualität aus. Denn die Maschinen pflücken alle Kaffeekirschen, dabei ist es egal, in welchem Zustand sie sind. Sie können reif, unreif und überreif sein. Das ist der Grund, warum auch die Ernte noch einmal sortiert werden muss.
Nach der Ernte wird das Fruchtfleisch gelöst und die Rohbohnen kommen zum Vorschein. Dann werden sie gesäubert und trocken oder nass zubereitet. Das Rösten geschieht dann später.

 

Bio am Siegel erkennen

Wer wissen möchte, ob er ein Bioprodukt kauft, der kann sich auf das Siegel verlassen. Denn das Siegel der EU wird nur vergeben, wenn die Voraussetzungen für einen biologischen Anbau erfüllt werden. Auch wenn das Siegel einmal vergeben wurde, wird immer wieder überprüft, ob die geforderten Richtlinien wirklich eingehalten werden. Denn die Umwelt soll geschützt werden, indem zum Beispiel keine Pestizide verwendet werden dürfen oder Gentechnik. Es gibt auch noch andere Siegel, doch nur ein Siegel ist wirklich das Biosiegel der EU und genau diesem Siegel können die Verbraucher vertrauen. Es lohnt sich also genauer hinzuschauen, um nicht auf ein falsches Siegel hereinzufallen, auch wenn es den Anschein macht, als würde der Kaffee ökologisch angebaut werden.

 

Bio oder fair gehandelt?
Es gibt diverse Unterschiede zwischen Bio und Fair Trade. Das Wichtigste bei Bio ist der Anbau und die Produktion. Dafür gibt es besondere Richtlinien, die von den Kaffeebauern eingehalten werden müssen. Bei Fair Trade dreht sich alles um die Arbeitsbedingungen der Beteiligten und die Verarbeitung. Das kann bedeuten, dass Bio Kaffee nicht fair gehandelt wird, weil die Kaffeebauern zum Beispiel nicht gerecht bezahlt werden und folglich von ihrer Arbeit nicht leben können. Dann wurde der Kaffee zwar ökologisch angebaut, aber nicht fair gehandelt, weil die Menschen unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen.
Doch auch für Fair Trade gibt es ein eigenes Siegel, damit die Verbraucher wissen, dass es den Erntebauern gut geht und sie von ihrer Arbeit leben können. Im Allgemeinen können sich die Verbraucher auf die Siegel verlassen, doch ab und zu tauchen auch hier bei bestimmten Betrieben Ungereimtheiten auf. Es muss also immer wieder kontrolliert werden, ob sich alle Beteiligten auch wirklich an die Richtlinien halten.
Ausser den Siegeln gibt es noch einen weiteren Weg: direct Trade. Beim direct Tarde wird Kaffee direkt vom Bauern an den Kaffeeröster verkauft. Das hat den Vorteil, dass keine weiteren Zwischenhändler den Preis drücken. Der grösste Vorteil ist aber der Ertrag für den Kaffeefarmer, denn bei dieser Verkaufsform erzielt der Farmer einen 3 bis 6 fach höheren Verkaufspreis als beim Handel über die Börse. Beim dircet Trade hat der Kaffeeröster oft eine persönliche Beziehung zu den Kaffeefarmern, kennt dessen Familiengechichte und sorgt für den besten Verkaufspreis für den Farmer.
Der Kaffeeeinkauf basiert auf einer engen Kooperation zwischen den Bauern und den Röstereien. Denn oft wollen sich die Produzenten vor Ort von den Gegebenheiten überzeugen. Sie wollen die Kontrolle selbst in die Hand nehmen und für faire Bedingungen sorgen.

Kaffee ist nicht gleich Kaffee

Kaffeetrinker sollten sich auch damit auseinandersetzen, unter welchen Bedingungen das Produkt angebaut wurde, denn es zählt nicht nur der Blick auf den Preis. Gerade wenn der Kaffee etwas teurer ist, dann hat das auch einen guten Grund. Die Siegel auf der Verpackung sind ein wichtiger Anhaltspunkt dafür, dass der Kaffee ökologisch angebaut wurde und es sich um ein faires Produkt handelt. Das heisst: Mischkultur statt Monokultur, Handarbeit statt Einsatz von Maschinen, behutsame Röstung und faire Bezahlung der Bauern.